Projektbericht - Bestandsreduzierung

Sehr geehrter Interessent,

ein Ziel des Projektes war es, die Bestände an fertigproduzierter Ware und Rohstoffen zu senken und gleichzeitig die Liefertreue zu erhöhen. Wir geben Ihnen mit diesem Projektbericht einen kleinen Einblick in die Durchführung des Auftrags und der erreichten Ziele.

Unser Kunde ...

Avery Dennison ist ein weltweit aktiver, börsennotierter Konzern der papierverarbeitenden Industrie. Der Gesamtumsatz 2003 lag bei 4,5 Mrd. Euro mit 20.000 Mitarbeitern. Das Werk, in dem unser Einsatz stattfand, gehört zur Geschäftseinheit "Roll Materials Europe". Es wurde Ende 2002 von Avery Dennison übernommen und in den Konzern eingegliedert. 550 Mitarbeiter produzieren hier jährlich 380 Mio. m² selbstklebende Folien.

An dieser Stelle möchten wir die Gelegenheit nutzen uns bei unserem Kunden und dessen Mitarbeitern für die jederzeit hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu bedanken.

Aufgabenstellung

Ziel des Projektes war es, die Bestände an fertigproduzierter Ware und Rohstoffen zu senken und gleichzeitig die Liefertreue zu erhöhen. Der Lagerumschlag pro Jahr sollte deutlich erhöht werden.

Ist-Zustand zu Projektbeginn

Bei Projektbeginn im April 2003 lagen die Rohstoffbestände bei über 30 Mio. m² (ca. 4 Mio. Euro). Die Liefertreue betrug 90%, der Lagerumschlag lag im Oktober 2002 noch bei 4 pro Jahr. Die Fertigbestände betrugen 12 Mio. m², was in etwa 6 Mio. Euro entsprach.

Sollzustand

Der im Projekt angestrebte Sollzustand war festgelegt auf einen Lagerbestand an Rohstoffbeständen von unter 18 Mio. m² und einem Fertigproduktbestand von unter 7,2 Mio. m². Dies entspräche einer Reduzierung der Lagerkapitalbindung um ca. 4,5 Mio. Euro. Gleichzeitig sollte die Liefertreue auf 99% und der Lagerumschlag auf über 12 pro Jahr erhöht werden.

Projektziel

Abgeleitet aus der Differenz zwischen dem Soll- und Ist-Zustand ergaben sich folgende Projektziele:

  • Reduzierung der Lagerbestände an Rohware um 40%, entsprechend 12 Mio. m² oder ca. 2 Mio. Euro.
  • Reduzierung der Lagerbestände an Fertigware um 40%, entsprechend 4,8 Mio. m² oder ca. 2,4 Mio. Euro.
  • Erhöhung der Liefertreue um 10% auf 99%.
  • Lagerumschlag erhöhen auf 12 pro Jahr.

Problemstellung

Eines der Hauptprobleme war die Maschinenplanung. Die Parameter in der Planungs-Software bildeten nicht die Realität ab. Teilweise wurden Abweichungen von 50% festgestellt. Die aufgrund des Verbrauches der Vergangenheit ermittelten Bedarfe der Zukunft (inkl. Schwankungen) wurden nicht hinreichend genau berechnet, da geeignete Werkzeuge und Berechnungsmethoden nicht zur Verfügung standen und daher nicht eingesetzt werden konnten.

Lösung / Umsetzung

4Gemeinsam mit den Mitarbeitern unseres Kunden haben wir die Lösungsansätze herausgearbeitet. Es sollte für jedes Produkt auf Basis der folgenden Parameter ein minimaler und maximaler Lagerbestand errechnet werden (Kanban-Planung).

  • Mittelwert der Verkäufe pro Tag der letzten 3 Monate
  • Standardabweichung der Mittelwerte
  • Wiederbeschaffungszeit
  • Geforderte Lieferbereitschaft

 

Mit Hilfe gängiger Berechnungsmodelle, die auf die Bedürfnisse des Kunden angepasst wurden, konnten wir für jedes Fertigprodukt den optimalen Lagerbestand errechnen. Letztendlich konnten die Lagerbestände an Fertigprodukten und somit die Kapitalbindung von 6 Mio. m² auf ca. 3 Mio. m² reduziert werden.

Durch die neue Berechung der Lagerbestände war es nun möglich, 99% der Aufträge, bei gleichzeitig sinkenden Beständen, aus dem Lager zu bedienen.

Durch die Kanban-Planung wird das richtige Material in der richtigen Menge zur richtigen Zeit bevorratet.

Nach erfolgreicher Einführung dieses Systems im Bereich der Fertigprodukte, haben wir das gleiche System für die Beschaffung und Lagerung der Rohmaterialien realisiert. Innerhalb von 6 Monaten wurde eine Bestandssenkung um 50 % erreicht, was einer Kapitalbindung von ca. 2 Mio. Euro entspricht!

Bei Avery Dennison werden die benötigten Klebstoffe selbst hergestellt. Ab September 2003 haben wir in der entsprechenden Abteilung ebenfalls begonnen, eine Kanban-Planung einzusetzen. Die Einführung der Kanban-Planung für die Klebstoff-Rohstoffe ergab in 6 Monaten eine Bestandsreduzierung um 50% was ca. 0,5 Mio. Euro entspricht. Die Bereitstellung der fertigen Klebstoffe für die Produktion wurde dadurch nie negativ beeinflusst.

Wirksamkeit

Der Erfolg und die Wirksamkeit der von uns durchgeführten Maßnahmen lässt sich am besten an den enthaltenen Diagrammen darstellen.

Nachhaltigkeit

Eine nachhaltige Sicherung der niedrigen Bestände in der Zukunft wird gesichert durch:

  • Einbindung der Lieferanten (Senkung von Lieferlosgröße und Lieferzeit)
  • Senkung der Produktionslosgrößen
  • Ständige Bestandsüberwachung durch Planer
  • Monatliche Anpassung der Min-Max -Mengen

Auswirkungen

Die Erfahrungen aus diesem Projekt erlaubten es uns, ein Modell zu entwickeln, in dem alle 1700 Fertigprodukte einer von nur 4 Klassen zugeordnet werden.

Aufgrund dieses Modells konnten fast 1000 Fertigprodukte und fast 300 Rohstoffe aus dem Programm genommen werden! Dies verringerte deutlich die Komplexität und die damit verbundenen Aufwände für z.B. Stammdatenpflege, Lieferantenbetreuung und Kontrakterfüllung.

Die verbliebenen Produkte können so optimal beobachtet werden, was es unserem Kunden ermöglicht, eine konstant hohe Lieferbereitschaft zu garantieren.

Ein zusätzlicher Vorteil der Produktbereinigung war ein noch weiteres Absinken der Lagerbestände. Das erstellte Modell ist gleichzeitig Datenbasis für eine neu eingeführte Planungssoftware, in die dadurch nur aktuell gültige Artikel eingestellt werden. Durch die erhebliche Reduzierung der Datenmenge ist der Pflegeaufwand der entsprechenden Datenbank wesentlich reduziert und erleichtert worden.

So gerüstet, wird es unserem Kunden auch in Zukunft möglich sein, das Erreichte langfristig und nachhaltig zu erhalten oder sogar zu verbessern.

Zurück